So schnell verglüht ein viertel Jahrhundert

Es gibt Ereignisse, die einem sehr bewusst machen, wie kurz das Leben ist. Als der Papst vergangenes Wochenende endlich starb, musste ich mich an seine Wahl vor 26 Jahren erinnern. Aus irgendeinem Grund schaute ich als Thälmannpionier völlig unüblich tagsüber fern. Das Wort Zappen gab es noch nicht. Fernsehen der DDR schaute man nicht.

Also guckte ich Westen. Schwarz-weiß versteht sich. Dort lief eine für politisch korrekt erzogene Atheisten ziemlich mittelalterliche und deshalb total spannende Prozedur, die wenige Monate zuvor wohl schon mal stattfand. Sie zog sich über Tage hin und hielt die seltsame Welt “da drüben” offensichtlich sehr in Atem. Von weißem Rauch, Sixtinischer Kapelle, Vatikanstadt und Kardinälen war die Rede. Und schließlich von einem “jungen” Polen, also einem “Bruderländer” (!), der Papst wurde. Weil der überhaupt nicht so aussah, wie man sich die Inquisition vorstellte, freute ich mich darüber. In der Schule durfte ich allerdings nichts davon erzählen. Lehrer hätten mich verhört. Und Schüler hätten mich verhöhnt. Also ging ich in die “Junge Gemeinde“. Zum Glauben habe ich deshalb nicht gefunden, aber einen gesunden Respekt entwickelt. Möge der nächste Papst unser kurzes Leben ebenso lange und stabil begleiten.

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