Schwarze Rose Rosemarie

Rosemarie Franke

Rosemarie Franke alias Schwester Rosi (20. Februar 1936 - 17. April 2010)

Am 29. April 2010 fand auf dem Aiblinger Friedhof die Trauerfeier für Rosemarie Franke statt. Über 100 Menschen sind gekommen. 45 Trauerbriefe haben wir erhalten. 52 Freunde, Bekannte und Verwandte sind zum Mittagessen, Kaffee und Kuchen im Kurhaus geblieben. So haben wir uns verabschiedet:

Amazing Grace (Heeresmusikkorps)

Liebe „Muddi“ -
Schwester Rosi,

liebe Töchter,
Söhne,
Enkel,
Geschwister,
Schwager,
Neffen und
Nichten,

liebe Freunde,
Nachbarn,
und Verwandte,

der 20. Februar 1936 war ein guter Tag.

An diesem Donnerstag wurde in Großgräfendorf in der Goethestadt Bad Lauchstädt ein wunderbarer Mensch geboren: Rosemarie Franke, geborene Kopp.

Ein Mensch, den wir auf seltene Weise in unser Herz geschlossen haben.
Eine kleine große Dame, von der wir uns heute verabschieden müssen.
Ein dankbares Mädchen, dem es vergönnt war, im zweiten Weltkrieg ohne Hunger und Elend aufwachsen zu dürfen.
Eine fleißige Frau, die in der Gastwirtschaft ihrer Großeltern zu arbeiten begann und so gut wie ihr ganzes Leben mit Arbeit verbrachte.
Eine Malocherin, die im Dreischichtensystem ihren Lebensunterhalt verdiente.
Eine starke Mutter, die zwei begehrenswerte Töchter und zwei stattliche Söhne auf die Welt brachte.
Eine unpolitische Kämpferin, die in Merseburg mit der DDR und ihren Nebenwirkungen fertig wurde, ohne Schaden zu nehmen.

Die längste Zeit ihres Lebens war sie für andere da.
Für ihre Kinder, die sie als allein erziehende Mutter durchbringen musste.
Für ihr Krankenhaus, in dem sie beinahe 40 Jahre als Schwester Rosi jungen, alten, kranken und sterbenden Menschen half.
Für Onkel Otto in Wiesbaden, für den sie bis zu seinem Tod eine helfende Hand war.
Für ihre Schwiegersöhne, die sie mit grenzenloser Loyalität umsorgte.
Für ihre Schwiegertöchter, bei denen sie ihre Söhne in besten Händen wusste.
Für ihre AWO, für die sie Spenden sammelte, bis sie kaum noch laufen konnte.
Für ihr Hallenbad Prantzeck, das zu erhalten ihr persönliches Anliegen war.
Für ihre Aiblinger Kegelfreunde, mit denen sie sich in Bayern heimisch fühlte.

Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, als ich vor ziemlich genau 20 Jahren Muddis jüngste Tochter nach München entführte.
Sie nutzte die Gelegenheit, um kurze Zeit später in unser gemeinsames Haus in Bad Aibling zu ziehen.

Wegen der Wiedervereinigung wurde es ihr dabei nicht gerade leicht gemacht.
Das Krankenhaus, für das sie so viele Jahre arbeitete, wollte sie nicht ziehen lassen.
Der Nachruf, den wir gestern erhielten, hätte sie aber versöhnlich gestimmt:

Nachruf vom Krankenhaus

Am 28. Februar 2010 in der Mitteldeutschen Zeitung

Es ist gut zu wissen, dass viele Menschen nach 40 Jahren Arbeit mit einer angemessenen Pension in den wohlverdienten Ruhestand gehen.
Die Leistungen unserer Muddi wurden mit einer Rentenkürzung gewürdigt.
Sie hat sich nie darüber beklagt.
Weil ihr treue Freunde, gute Nachbarn und liebe Verwandte wichtiger waren.

Schwarze Rose Rosemarie (Peter Kraus)

Die gemeinsamen Jahre, die wir mit unserer Muddi in Bad Aibling verbringen durften, waren die beste Zeit unseres Lebens.
Unsere Muddi zelebrierte mit uns ein Familienleben, das in dieser Harmonie und Gegenseitigkeit einzigartig war.
Tennis, Fußball und Biathlon waren ihre Welt.
Es gab Tage, da konnten wir den vielen Sport nur ertragen, weil unsere Muddi das beste Essen kochen und den leckersten Kuchen backen konnte.
Gute Musik, gepflegt Ausgehen und g’scheite Ausflüge waren ihre Leidenschaft.
Fasching mit dem FC Bayern zu feiern, wäre das Geschenk ihres Lebens gewesen ;-)

Ihr bevorstehender Tod war zu lange traurige Gewissheit.
Ob sie ihn kommen sah, können wir nur vermuten.
Dass er so schnell kam, hat uns traumatisiert.

Der Tod hat eine gute Seite.
Er lehrt uns Demut vor der Endlichkeit.
Er zwingt uns innezuhalten und zu überdenken.
Er erinnert uns an die eigene Vergänglichkeit.

Unsere Muddi war kein religiöser Mensch.
Aber sie respektierte anständige Christen.
Aus diesem Grund und aus Respekt vor dem Glauben bitten wir alle Anwesenden ein gemeinsames Vaterunser zu beten.

Biscaya (James Last)

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