Fortsetzung von Letztes Lebenszeichen von Raffi
Enttäuscht und an der Ehrlichkeit von Raffi zweifelnd versuchten Andi und ich das Thema abzuhaken. Dass Freunde die Spur wechseln, untertauchen oder einfach nur spinnen, soll es geben. Er würde sich schon wieder einkriegen. Möglicherweise war er ja doch in Probleme verstrickt, mit denen keiner etwas zu tun haben möchte. Dann kam der Schock:
Am 16. Februar 2000, 16:01 Uhr schrieb ich diese E-Mail an Freunde, die sich erkennbar für ihn interessierten:
RAFFI IST TOT
Laut seinem Vater, mit dem ich soeben telefoniert habe, hat man Raffi in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vergangener Woche (eineinhalb Wochen nach unserem Besuch) an einem Berliner See mit einer Büchse Bier in der Hand erschossen aufgefunden … Die Polizei gehe von Selbstmord aus, zumal man in seiner Wohnung Abschiedsbriefe fand.
Sprachlos, TJ
Einige Wochen später fuhren mein Bruder und ich auf unseren Motorrädern nach Jena, um Georg zu besuchen. Es war eines der denkwürdigsten Gespräche, das wir je über einen Selbstmörder führten.
Wir erfuhren unter anderem, dass wir bei unserem Besuch kurz vor Raffis Tod in eine kritische Auseinandersetzung platzten. Der Vater wollte von seinem Sohn die Waffe, die er in seinem Haus vermutete. Jene Pistole, die man später bei Raffis Leiche auf der Parkbank fand. Weil er Andi und mich damals nicht kannte, hielt er uns für Kriminelle, weshalb er das meisterhafte Versteckspiel in der Küche seines Sohnes deckte.
Beim Abschied überließ er uns ein Päckchen mit Kopien von Schriftstücken, die wir erst verarbeiten sollten, wenn die Zeit reif ist. Anschließend besuchten wir Raffis Mutter, die unter einem anderen Namen in München lebt.
Fortsetzung folgt.
