Reichtum wird überschätzt, sagt Professor Klaus Schroeder in einem besonders lesenswerten Interview im Wirtschaftsmagazin brand eins. Dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland zunehmend auseinandergehe, entspricht nicht den messbaren Daten. Die Einkommens- und Vermögensverteilung sei weitgehend konstant. Viele Menschen würden falsch denken.
In Experimenten fragte Schroeder, wie viel Haushaltnettoeinkommen nötig sei, um zu den reichsten fünf Prozent in Deutschland zu gehören. 50.000 bis 75.000 Euro und mehr pro Monat lauteten häufige Antworten. Realisten schätzten 15.000 Euro. Die Wahrheit liege bei 5000 Euro. Dies sei eine Fehlwahrnehmung durch die starke mediale Fokussierung auf superrreiche Individuen. Ihr Anteil an der Bevölkerung liege jedoch im Promillebereich. Ostdeutsche Studenten würden den Reichtum stärker überschätzen und sich an ihm orientieren, “wodurch es zu den bekannten Frustrationserscheinungen kommt”.
Was wir in den vergangenen 15 Jahren in Ostdeutschland erlebt haben, sei eine Wohlstandsexplosion, die in der Weltgeschichte einmalig ist. Für drei Viertel der Bevölkerung im Osten seien die Lebensverhältnisse heute weitgehend wie im Westen. Viele würden das nicht wahrhaben wollen und sich an den (überschätzten) obersten fünf Prozent orientieren, die im Westen leben.
