Johannes B. Kerner schaue ich nicht, weil er mit suggestiv-investigativen Moderationen nervt. Besonders dann, wenn er beim Fußball mit sorgenvollen Worthülsen gute Laune verdirbt. Über seine Sendung, in der er Eva Herman festgenagelt und geschmäht hat, habe ich in der Zeitung gelesen.
In der DDR musste ich oft erleben, wie sich Gruppen kollektiv gegen die Meinung eines einzelnen ereiferten, obwohl sie persönlich anders dachten. Spätestens wenn vor Zeugen Haare gespalten wurden, welches Wort in welchem Satz in welcher Auseinandersetzung ein Andersdenkender – nicht warum, sondern überhaupt – geäußert hatte, wurde es unerträglich für den in die Enge getriebenen. Die Sache war entschieden. Jedes weitere Argument machte alles nur noch schlimmer.
So musste es Eva Herman ergangen sein, als sie vor laufender Kamera ausgeknockt wurde. Sie hat ihre Sätze nicht sehr glücklich formuliert. Deshalb wäre es besser gewesen, wenn sie auf Totschlagargumente geschwiegen hätte. Aber genau das wollte sie nicht, sondern als gestandne Frau mit respektablem Hintergrund ihre persönliche Meinung sagen, die vielen verdächtig emotional parierenden Kritikern nicht ins präparierte Weltbild passt. Mal sehen, wie die (“gleichgeschaltete”) Presse reagiert.



