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Letztes Lebenszeichen von Raffi

Samstag, 30. Januar 2010

Fortsetzung von Vorletztes Lebenszeichen von Raffi

Zwischen Weihnachten 1999 und Januar 2000 hörte man über mehrere Ecken das eine oder andere von Raffi. Wie zeitnah und real das Gemunkle war, wusste keiner. Die Uhr tickte. Deshalb fuhren mein Bruder und ich Anfang Februar nach Berlin direkt zu seinem Haus, wo wir ihn zuletzt vermutet hätten. Wir wollten unsere Suche einfach nur systematisch von vorne beginnen. Die Überraschung war brachial.

Am 7. Februar schrieb ich eine Nachricht mit dem Betreff “Raffi geht es deutlich besser” an Freunde, Kumpels und Kollegen:

War am Wochenende mit Andi in B und haben doch tatsächlich Raffi angetroffen, während einer Stunde eine Tasse Kaffe und ein Glas vom besten Rotwein getrunken.

Er sah – wirklich – sehr (!) gut aus. Hat etwas abgenommen, war aber nicht kränklich dünn – eben *schön* schlank. Er sprach auf seine ihm typische Weise humorvoll und war voller ernsthafter Zuversicht, dass er wieder gesund werden würde. Jedenfalls habe er eine Dame namens V. aus S. kennen gelernt, die Ärzte kenne, die mit seiner Krankheit vertraut wären, weshalb er begründete Hoffnungen habe, dass alles wieder gut werde.

Seine Computer hat er allerdings tatsächlich komplett abgeschafft. Er könne sich zurzeit auch nicht vorstellen, jemals wieder in unser Business einzusteigen.

Demnächst wolle er mit seiner neuen Freundin in eine kleinere Wohnung umziehen. Und er hat uns versprochen, sich wieder zu rühren, wenn die Zeit gekommen sei. Bis dahin wolle er weiterhin seine Ruhe vor Computern, Arbeit und allem haben, was damit verbunden sei.

Für uns ist Raffi eindeutig außer Lebensgefahr, so dass sich niemand mehr ernsthaft Sorgen um ihn machen muss. Finanziell scheint er auch unabhängig zu sein. Der Rest ist Einstellungssache, die Raffi für sich allein – und unserer Überzeugung nach positiv – entscheiden wird.

Was in der Nachricht nicht stand: Wir überraschten Raffi mit seinem Vater, Georg, in der Küche. Die Luft vibrierte. Natürlich stellten wir Fragen und hauten Raffi unsere Sorgen um die Ohren. Aus dem betretenen Schweigen von Georg schlossen wir, dass wir beide bei etwas Unangenehmen ertappt haben mussten. Wobei, erfuhren wir erst Wochen später. “Bitte keine Anamnese”, stellte Raffi unmissverständlich klar. Von Selbstmordversuchen war zwar keine Rede. Doch dass etwas Grundsätzliches nicht stimmte, war offensichtlich, weshalb ich meine Nachricht mit so vielen Konjunktiven schrieb. Wir trauten der Sache nicht – Gerüchte gab es genug. Möglicherweise ging es um etwas völlig Anderes, von dem Raffi vielleicht nur abzulenken und alle rauszuhalten versuchte. Andi und ich waren stinksauer.

Fortsetzung folgt.

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