Am 11. Februar 2010 ist es genau 10 Jahre her. Ein guter Freund und genialer Mitstreiter nahm sich in Berlin das Leben. Lange geplant, eiskalt durchdacht und konsequent ausgeführt:
Auf den ersten Blick sah es so aus, als wäre der Mann im Sitzen auf der Bank eingeschlafen und einfach nur umgekippt, meldete die BZ-Aktuell am Sonnabend, den 12. Februar 2000. Er schlief aber nicht – André Z. (33) war tot.
“Der Marzahner hatte sich auf eine Parkbank am Orankesee gesetzt. Dann zog er die Ceska-Pistole, hielt sie sich an die linke Schläfe und drückte ab. Er war sofort tot. Kurz vor sechs Uhr fand ein Spaziergänger den zur Seite gesackten Leichnam und alarmierte die Polizei. Der mutmaßliche Grund für den Selbstmord: André Z. soll an einer schweren Krankheit gelitten haben.”
André Z. alias Raffi war kein Marzahner. Auch kein Berliner. Und eine schwere Krankheit nicht das Motiv. Der letzte Akt begann im November 1999. Mit einer E-Mail an seine Freunde, Kumpels und Kollegen. Was die Empfänger damals nicht wussten: Das war kein Hilferuf, sondern unumkehrbares Signal zum Finale. Alle Versuche, Besuche und Gesuche, ihm helfen zu dürfen, prallten an ihm ab. Mit einer schauspielerischen Glanzleistung, die fasziniert.
Diese E-Mail und alles, was er danach geschrieben hat, möchte ich mir ab heute von der Seele schreiben. Zehn Jahre nach seinem Ausstieg und zwei Selbstmörder später, zu deren Beerdigungen ich jüngst wieder nach Berlin musste. Raffis Eltern haben mir die Unterlagen überlassen, mit denen er sich beklemmend ausführlich, unerträglich strukturiert und gewohnt eloquent verabschiedete. Ich versprach, sie so lange ruhen zu lassen, bis genügend Abstand gewonnen ist. Abstand zu einem Menschen, der sehr viel Freude bereitet und seine Umwelt zugleich schwer getäuscht hat. Die Zeit ist gekommen, Raffi zu lesen.
Fortsetzung folgt.



