Die Fernsehmoderatoren des ZDF können aufatmen: Ihr Wahlkampf hat sich gelohnt. Noch nie wurden so viele Rundfunkgebühren in so viele Fernsehminuten für einen US-Präsidenten investiert. In den letzten Nächten vor dem Wechsel erhielten sogar altgediente Korrespondenten in den USA direkte Unterstützung von ihren Nachrichtensprechern, die zum Mitzählen höchstpersönlich nach Amerika flogen. Nüchterne Meldungen aus Mainz wären zu billig gewesen. Von den Reisekosten hätten unzählige Rentner den Rest ihres Lebens keine GEZ mehr finanzieren müssen.
Fairerweise sei erwähnt, dass nicht nur das Zweite Deutsche Fernsehen seit Monaten nervte. Auch meine Tageszeitung berichtete nahezu täglich auf ganzen Seiten über ihren Barack, der gefühlte 90% liebevoll beim Vornamen genannt mit Aufmerksamkeit beschenkt wurde, während McCain wenn überhaupt die anteiligen Prozente seiner statistisch zu erwartenden Restlebenszeit zugestanden bekam. Und dies auch nur mit der subtilen Andeutung, dass, falls er doch gewinne, er von Rassisten gewählt würde.
Mich würde im Ernst interessieren, ob eine zugegebenermaßen bestechend hübsche Marietta in den Spätnachrichten ihren Zuschauern im öffentlich-rechtlichen Interesse ständig suggerieren darf, ganz Deutschland und der Rest der Welt würde sowieso nur einen wählen, weil der andere den mutmaßlich faulenden absterbenden Imperialismus verkörpert. So haben vor Jahrzehnten Agitatoren in der DDR alle amerikanischen Administrationen verteufelt, die politisch keine Ypsilanties (rot, naiv und hasardierend) waren.
Bin gespannt, wie sich unsere Medien über Obama äußern, wenn der neue Präsident erste Wahlversprechen bricht und zugunsten der Vereinigten Staaten regiert.



