Vor lauter Amokläufen in den Medien nach dem Amoklauf in Winnenden hätte ich es beinahe verdrängt: Eine Tagesschau kurz nach diesem Ereignis war die letzte, die ich nach rund 40 Jahren bewusst eingeschaltet habe. Von meinen Kinderjahren und ein paar Monaten Stasihaft einmal abgesehen, war die Tagesschau meine über alles erhabene Quelle, der ich mein ganzes Leben lang wirklich alles abgenommen habe. Bis zum Amoklauf. Warum?
Die Tagesschau hat mit Abstand am seriösesten über das Desaster berichtet. Spät zwar. Aber gewohnt sachlich und ohne Boulevardeffekte. Doch dann passierte es: Mitten zwischen den Meldungen der obligatorische Hinweis, dass man das alles und noch viel mehr auf www.tagesschau.de haben könne. Jetzt macht es also die ARD wie das ZDF, das bereits seit Jahren mit dieser penetranten Eigenwerbung im Heute Journal seinen Stammzuschauern maximal auf die Nerven geht, weil sie die Internetadresse trotz 365 Wiederholungen im Jahr immer wieder vergessen. Arme Nachrichtensprecher, die vermutlich nichts dafür können, sondern sehr wahrscheinlich von ganz oben dazu genötigt werden.
Nein, ich habe kein Problem mit www.tagesschau.de. Das Internet ist für uns alle da. Nur dass ich als Internetunternehmer für Internetwerbung nach 20 Uhr zusätzlich zu meiner privaten Zwangsabgabe an die GEZ weitere Rundfunkgebühren auf meine Internetcomputer in meiner Internetfirma zahlen muss, obwohl ich damit weder fernsehe, noch Radio höre, geschweige denn Tagesschau surfe, hat mich sehr empfindlich gemacht. Das will ich die nächsten 40 Jahre einfach nicht hören müssen.

Interessant ist ein argumentativer Widerspruch der Öffentlich-Rechtlichen: Die GEZ-Gebühren sollen der Grundversorgung dienen. Wenn nun scheinbar wichtige Informationen ins Internet “ausgelagert” werden, kann es sich insgesamt (Rundfunk und Internet) um keine Grundversorgung mehr handeln, denn zahlreiche Studien belegen, dass immer noch ein erklecklicher Teil der Bevölkerung das Internet nicht nutzen kann (sei es mangels Wissen oder mangels eines technischen Zugangs zum Netz). Wie man es dreht und wendet: Im Sinne einer echten – und meines Erachtens auch gesellschaftspolitisch absolut wünschenswerten – Grundversorgung gibt es nur eine einzige, ebenso einfach wie gerechte Regelung: eine personengebundene Kulturflatrate. Erstens bietet sie die größte Freiheit der Informations- und Medienwahl, zweitens berücksichtig sie, dass jemand zwar zehn TV-Geräte an zehn Orten aufstellen, aber seine 16 Stunden Wachzeit eben nur einmal mit Infomüll zupflastern kann, drittens würde sie auch der Wirtschaft das freie Spiel der Kräfte bei der Entwicklung von Medien-Geschäftsmodellen und Medientechnik erlauben, mit dem Effekt maximaler Innovationskraft.