Einen schwierigen Beitrag über die “Ritter der Schwafelrunde” hat die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 3. Februar gebracht. Autor Alex Rühle echauffiert sich halbwegs sachlich und gekonnt süffisant über das Phänomen Blogs im Allgemeinen und “manichäische” Blogger im Besonderen. Wer nicht im Duden nachschauen muss, um zu wissen, das Manichäismus für eine von Mani gestiftete Religionsform steht, teilt wahrscheinlich alle Spitzen von Anfang an.
Doch spätestens im vorletzten Absatz, in dem es heißt, dass der
"narzistische Glaube vieler Blogger, schon im Moment ihrer Blogeröffnung eine kritische politische Gegenöffentlichkeit zu sein"
und die
"implizierte Behauptung, das Medium selbst sei Garant für bestechend unabhängige Qualität und ritterliches Tun"
ermüden können, wird jedem klar, worum es dem Autor wirklich geht: die meisten Blogger “schreiben selbstreferentiell vor sich hin”. Von “akkumulierendem Weltgeist” sei selten etwas zu spüren. Er könnte sich zudem nichts “furchterregenderes” vorstellen, als “ekstatische Visionen des Web 2.0″, die die “Hegemonie des Amateurs” voraussetzen. Den Begriff Hegemonie beschreibt der Duden übrigens als “staatliche Vorherrschaft”.
Das liest sich kompliziert, ist aber wahr. Der Hype ums Bloggen wird verglühen. So wie jede andere Mani (siehe auch “Fiese Blogger können echt nerven”) . Und gute Weblogs werden bleiben.




Hallo Tommy,
die Süddeutsche führt hier meiner Meinung nach ein klassisches Rückzugsgefecht. Wie schon Gandhi gesagt hat: “Erst verspotten sie dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du”. Die SZ bewegt sich momentan zwischen Verspotten und Bekämpfen, was auch durch die grottenschlechten SZ-Blogs deutlich wird. Kaum ein anderes Presseorgan zeigt derzeit, wie unbeholfen die eigenen Leute den neuen Medien gegenüberstehen.
Beispiel: Der aktuelle “Karikaturenstreit”. Die SZ überbietet sich täglich in unsachlichen Beiträgen und Beschwichtigungen – heute z.B. im Fuilleton mit einem Beitrag, der den eigentlichen Anlassgeber des Karikaturenstreits, den dänischen Kinderbuchautoren, der keine Illustratoren für sein Mohammed-Buch finden konnte, als Rechtsausleger diffamiert.
Was sie bis heute nicht geschafft hat, ist anzuerkennen, dass Blogger (igitt!) herausgefunden haben, dass:
1.) Die fiesesten Mohammed-Karikaturen, die für Aufruhr in der islamischen Welt gesorgt haben, plumpe Fälschungen waren,
2.) Eine ägyptische (!) Zeitung die kompletten Karikaturen schon im Oktober nachgedruckt hat, ohne dass sich dort irgendjemand darüber aufgeregt hätte
Auch das verschämte Schweigen gegenüber neuerlichen iranischen Ausschreitungen wegen der Tagesspiegel-Karikatur spricht Bände.
Die SZ ist eben leider ein elitärer Haufen von Edelfedern, deren Ergüsse man nicht sonderlich ernstnehmen sollte.